11. Ein Wunder und ein Notfall
 

Was ist ein Wunder? Bisher hat Quops das nicht gewusst. Doch seit einer Viertelstunde hüpft Quops in der Wohnung umher wie ein Tennisball, ist völlig aus dem Häuschen – und weiß, was ein Wunder ist. Er hat nämlich eines erlebt:
Dazu muss man wissen, dass Quops seit ein paar Wochen in jeder freien Minute zu seinem Freund Toby geht. Und wenn es nicht ganz herrliches Wetter ist, so dass man’s drinnen wirklich nicht aushält, spielen die beiden an Tobys Computer. Zuerst hat Quops sich schrecklich dumm drangestellt beim Spielen – wie ein „Schlafopa“ hat Tops einmal gesagt – doch dann allmählich hat Quops den Bogen raus. Und je mehr Spass ihm das Spielen macht, desto mehr wünscht er sich einen eigenen Computer. „Unmöglich!“ sagen seine Eltern, „viel zu teuer! Geht jetzt nicht!“ – „Mal sehen!“ sagt seine Mutter, „vielleicht nächstes Jahr!“
Und heute, Freitagnachmittag, liegt Quops in seinem Zimmer auf dem Boden, blättert in einem Comicheft – und denkt wieder mal an dieses „nächstes Jahr“, Es dauert ihm viel zu lange, dieses „nächstes Jahr“. Ach, wenn es doch irgendwie ginge ...
Da kommt sein Vater mit dem Handy ins Zimmer: „Für dich – Onkel Paul.“ Der ruft selten an; Quops wundert sich. Und am Handy wundert er sich noch viel mehr: „Waaas?! – Echt?! – Coool! – Klar! – Suuper!!“ – Mehr hört sein Vater nicht und kann sich nicht erklären, worum es geht. Schließlich wirft Quops das Handy aufs Sofa und brüllt: „Ich krieg’ einen PC, von Onkel Paul, den er nicht mehr braucht! 1500 Euro hat der mal gekostet! Und ein Scanner ist auch dabei! Und – und – Onkel Paul will ihn heut’ abend schon bringen!“ Quops hat einen Kopf wie eine Glühbirne und hopst herum wie ein Floppy.
Heut’ abend! Nun ist heut’ abend – und Quops hat seinen Computer nicht bekommen. Und das kam so:
Als Quops sich ganz müde vom Herumhüpfen auf das Sofa plumpsen lässt, ertönt ein leiser kläglicher Maunzer. „Tibby, wo steckst du denn? Unter dem Sofa? Ich hab’ dich den ganzen Tag schon gesucht!“ Quops kniet sich vor das Sofa. Tibby sitzt ganz hinten an der Wand und will nicht herauskommen. Quops schiebt sich halb unter das Sofa und will Tibby greifen. „Auuh!“ schreit er, „he – die hat mich gekratzt! Das blutet!“ – „Tibby ist nicht in Ordnung!“ sagt seine Mutter , „sie hatte schon heut’ früh eine geschwollene Pfote.“ – Sie müssen das Sofa wegrücken, um Tibby herauszuholen. Sie lässt sich kaum anfassen und schreit kläglich.
Ihr ganzes Vorderbeinchen ist unförmig geschwollen. „Was is’ denn das?“ ruft Quops. – „Die muss zum Tierarzt!“ sagt seine Mutter.
Eine Stunde später hockt Tibby verängstigt auf des Untersuchungstisch des Tierarztes. Es ist schon acht Uhr abends. „Vielen Dank, dass wir noch kommen konnten, so spät!“ sagt Quops’ Mutter . – „Für Notfälle bin ich fast immer da!“ meint der Arzt und tastet vorsichtig Tibbys Beinchen ab. „Das ist ein Abszess!“ sagt er, „wahrscheinlich von einer Beißerei mit anderen Katzen!“ - Quops wird es ganz mulmig, als der Tierarzt Tibby eine Betäubungsspritze gibt. Und bei dem, was dann kommt, wird es ihm noch viel mulmiger. Als das Kätzchen sich nicht mehr regt, untersucht der Arzt das Beinchen genauer, schabt mit einem Instrument an einer Kruste unter dem Fell – und da gibt es eine kleine Explosion: Eiter spritzt aus dem Beinchen, mehr und immer mehr, der Arzt drückt alles heraus. Quops ist es ganz schlecht. „Das muss sein!“ sagt der Arzt, „und du wirst sehen, in ein, zwei Tagen ist sie wieder fit!“
Als Quops nachher auf dem Heimweg im Auto sitzt und Tibby auf dem Schoß hält, schnieft er und schluckt ein paar Tränen hinunter. Das war zuviel heut’. Das mit dem Computer und das mit Tibby.
Den PC samt Drucker und Scanner, den hat ihm Onkel Paul dann am Sonntag gebracht - und Tibby hat ihn rundherum beschnuppert!
 

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